Dienstag, 17. März 2009

Great Ocean Road

Dank dem Labour Day durften wir ein langes Wochenende an der fantastischen Great Ocean Road verbringen. Unser Reiseführer Michel hatte für uns für zwei Nächte in einem herzigen Bed & Breakfast in Apollo Bay (etwa in der Hälfte der Great Ocean Road) gebucht. Hurra!







Als wir losfuhren, war das Wetter leider gar nicht so, wie wir uns es gewünscht hätten: Bedeckt, windig, kühl. Doch als wir "hinter" Melbourne in Torquay an der Küste angelangt waren, die unzähligen Surf-Shops dort tatsächlich ohne eine Einkaufstasche verlassen hatten und uns für unseren Zmittag an den Strand setzten (also natürlich nicht an den Strand selbst, sondern an einen typischen Aussie-Picknick-Tisch), zeigte sich doch tatsächlich ganz schüchtern die Sonne. Für den nächsten Küstenabschnitt wurde das Wetter immer besser (obwohl nicht unbedingt wärmer), und so leuchteten die Farben viel intensiver.








Und dann begann die Great Ocean Road endlich! Wahnsinnig, wie sich diese Strasse der steilen Küste entlang schlängelt (wirklich sehr kurvenreich!)! Auch wenn wir diese Tour vor fünf Jahren bereits einmal gemacht haben, waren wir immer noch hingerissen von diesem Erlebnis.











In Kennett River mussten wir dann erfahren, dass das, was vor fünf Jahren noch ein Geheimtipp war, mittlerweile zur Touristenattraktion geworden ist: der Wald hinter dem Campingplatz mit den Koalas. Trotzdem wollten wir diese knuddeligen schwarzen Punkte in den Bäumen doch in Natura sehen. Und siehe da, es lohnte sich enorm: Plötzlich hörte Barbara ein Geräusch, das nach einem herumlaufenden Tier tönte. Kurz darauf sahen wir einen Koala herumwatscheln! (Michel will zwar immer für sich beanspruchen, dass er derjenige gewesen war, der den Koala gehört und entdeckt hat, aber das stimmt natürlich nicht!) Und nicht genug: Plötzlich spazierte er in knapp zwei Metern Entfernung (und das nur, weil wir vor Überraschung zurückwichen) an uns vorbei über den Weg!!! Keine Spur von Angst oder Scheu! Der Anblick eines sich bewegenden Koalas war einfach köstlich! ;-)


Am nächsten Tag war das Wetter am Morgen leider wieder nicht wirklich gut. So entschieden wir uns, Petrus noch eine Chance zu geben und fuhren zuerst im Landesinnern via Turtons Treck zum Otway Fly Treetop Walk. Der Turtons Treck ist eine schmale Strasse durch eine Art Regenwald. Meeegaschön - aber plötzlich war es nur noch 10 Grad kalt!!


Da der Treetop Walk doch auf 25 Meter über dem Boden führte, schickte Michel Barbara alleine los (seine Version lautet zwar, er hätte nicht mitdürfen, aber wer's glaubt...). Es war kühl, aber cool ;-) Von oben auf die riesigen Farne zu sehen und kurz unter den Baumwipfeln herumzulaufen, machte Spass. Aber da Barbara den armen Michel nicht zu lange im warmen Café warten lassen wollte (der Spass dauerte doch ca. 45 Minuten), raste sie mehr oder weniger durch den Kurs.



Danach stiessen wir doch tatsächlich in die dritte Austauschlehrerfamilie an diesem Wochenende (zwei davon hatten wir am ersten Tag beim Leuchtturm getroffen): Es schien, als ob viele die gleiche Idee gehabt hätten, das lange Wochenende an der Great Ocean Road zu verbringen. Dass wir aber gleich drei davon auch wirklich sahen, war ein rechter Zufall!

Wir zwei Ausflügler watschelten dann noch etwas durch den "Regenwald", bis sich endlich doch die Sonne zeigte und wir uns an die Küste wagen konnten. Das Wetter wurde immer besser, wie die Bilder auch zeigen: Bei den berühmten zwölf Aposteln, von denen ja immer weniger tatsächlich vorhanden sind, war der Himmel noch etwas bewölkt, doch später verzogen sich diese Wolken immer mehr.







Nach der zweiten Nacht in Apollo Bay suchten (und fanden) wir nochmals Koalas (sehr nah und sooo herzig!), bevor wir uns auf den Rückweg machten, dieses Mal nicht durch Melbourne hindurch, sondern mit der Fähre von Queenscliff nach Sorrento. Die Überfahrt lohnt sich sehr, da man eine schöne Aussicht auf Point Nepean hat. Zudem konnten wir so bereits einmal für die längere Fahrt mit der Fähre üben, die wir in den April-Ferien nach Tasmanien machen werden.







Es war also ein fantastisches Wochenende, von denen es gerne noch mehr geben darf!

Zum Schluss nochmals ein paar Bilder von lustigen Schildern ;-) (Australien ist die Schilder-Nation!)










Weitere Bilder von der Great Ocean Road und natürlich von den Koalas findet ihr hier.

Sonntag, 1. März 2009

Wochenende in South Gippsland

Die ITA (International Teacher Association) lädt einmal pro Monat zu einem gemeinsamen Ausflug ein. Natürlich waren wir im Februar mit von der Partie, als es für ein Wochenende ins South Gippsland (südöstlich von Melbourne) ging. So konnte Barbara die Eindrücke und Erfahrungen ihrer ersten Arbeitswochen mit "Mitleidenden" v.a. aus Kanada austauschen. (Dazu muss gesagt werden, dass unter den ca. 20 Austauschlehrern/innen, die dieses Jahr in Victoria arbeiten, Barbara nebst einer Französin die einzige ist, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Da die Französin nicht an diesem Wochenende teilnahm, waren wir die einzigen, welche sich in einer Fremdsprache durchschlagen mussten!)

Freitag: Anreise
Nach ca. 1 1/2 Stunden Fahrt kamen wir in Leongatha an, wo wir bei Greg und Jan zweimal übernachten durften. Greg würde am Samstag unser Buschauffeur sein. Und da sie ein wahnsinnig grosses (und superschönes) Haus haben, hatten sie uns ein Schlafzimmer und ein praktisch privates Bad angeboten. (Die meisten anderen Austauschlehrer waren bei ehemaligen Austauschlehrern untergebracht.) Obwohl wir nicht viel Zeit dort verbrachten, genossen wir das grosszügige, moderne und sehr sorgfältig eingerichtete Haus sehr.


Am Abend selbst trafen wir zuerst die anderen Austäuschler bei Sue und Mike im Garten, gingen von dort mit einem Goody-Bag voller Prospekte, Milch, Tags und natürlich Vegemite und wurden als "Bettmümpfeli" von unseren Gastgebern zu Hause noch in die Regeln von Footy (Australian Rules Football) eingeweiht.


Samstag: Ausflüge
Nach einer nicht sehr schlafreichen Nacht ging es ab Inverloch (an der Küste) mit Gregs Bus los. Leider war das Wetter nicht so toll (bedeckt), als wir der Küste entlangfuhren, aber das hielt uns nicht davon ab, bei einem Abschnitt called "Eagle's Nest" am Strand einen Postenlauf zu machen. Wir mussten bei zehn Dingen erraten, was sie sein könnten. Zwar gab es jeweils vier mögliche Antworten zur Auswahl, aber da viele der aus dem Bereich der Biologie stammenden Begriffe über unseren Englischen Wortschatz hinausgingen, war es für uns vielfach eher ein Raten als ein Lösen. Trotzdem waren wir natürlich mit Feuereifer bei der Sache und sammelten sogar noch sechs pieces of rubbish, um Bonuspunkte zu ergattern ;-) Auf die Auswertung mussten wir dann bis zum Abend warten.



Nach diesem Treasure Hunt und einem obligaten Morning-Tea-Halt (immer mit Snack) fuhren wir weiter auf Phillip Island. Ja, dort geht man eigentlich v.a. abends hin, um die kleinen Pinguine an Land kommen zu sehen. Doch wir waren nicht auf Pinguin-Mission, sondern wollten Koalas sehen. Das Wetter war inzwischen besser geworden und so konnten wir im Koala Sanctuary grössere ;-) und kleinere Koalas in mehr oder weniger freier Natur beobachten. Sooooooo süüüüüüüüüss, die kleinen Faulenzer!!!










Der Zmittag am Strand von Cowes auf Phillip Island stärkte uns für unseren 7 km-Marsch nach Kilcunda. Bei schönem Wetter wanderten wir während zwei Stunden auf einem Weg der fantastischen Küste entlang, der in Kilcunda in einem Pub (hier "Hotel" genannt) endete, wo unsere Kräfte mit Drinks und einem sehr grosszügigen Snack wiederhergestellt wurden. Die kanadischen Kinder fanden die Tatsache, dass sie in ein Pub gehen durften, ganz aufregend...
















Unsere grosszügigen Gastgeber (ehemalige Exchange Teachers) sorgten dafür, dass wir ganz bestimmt nicht verhungern mussten: Im Angling Club in Inverloch gab es dann ein Aussie BBQ. Sehr fein!









Und dann das Highlight: Die Preisverleihung für den Treaure Hunt: Und stellt euch vor: Wir Nicht-Australier bzw. Nicht-Englisch-Sprechende wurden tatsächlich Zweite! Barbara, die Immer-Ehrgeizige (das wisst ihr ja) nahm den Preis (zwei gelbe Strassenschilder) stolz entgegen. Nach einer herzigen Preisverleihung für alle anwesenden Kinder (jedes einzelne wurde mit einem Award für irgendetwas ausgezeichnet: z.B. bekamen Zwillinge den "Look-alike-award") waren alle müde und man ging heim.


Sonntag: Surfen

Michel wollte unbedingt wieder einmal sehen, wie es um seine Surf-Künste steht, und so standen wir bereits um 8.45 Uhr am Strand in Inverloch. Dort wurde Michel in einen "sexy" Wetsuit gesteckt und musste zuerst fast eine Stunden lang Instruktionen und Aufwärm-Übungen über sich ergehen lassen, bevor er dann mit dem Brett ins Wasser gelassen wurde.










Naja, wir lassen es mal dahingestellt, ob die immer kleiner werdenden Wellen, das falsche Brett oder das höhere Alter dazu führten, dass Barbara Michel weniger häufig stehend auf dem Brett sah als noch vor fünf Jahren... Aber wenn er mal stand, sah es so aus:










Danach verabschiedeten wir uns von den anderen - wir werden die meisten wohl bereits in drei Wochen in Ballarat wiedersehen. - Da in der Region die Bushfires einiges Gebiet zerstört hatten, waren wir auf unserer Heimreise nach Melbourne, auf der wir eigentlich gerne etwas mehr von der Gegend im Inneren des Landes gesehen hätten, ziemlich eingeschränkt. Trotzdem fanden wir auf ein paar kleinen Überlandstrassen noch schöne (wenn auch sehr braune) Gegenden. Und so kamen wir müde, aber zufrieden in Chelsea an.


Zum Schluss noch zwei Bilder

Zum einen wurden wir zu Beginn unseres Fussmarsches auf die Gefahren an der Küste aufmerksam gemacht.














Zum anderen hat sich Barbara mit einem süssen Tier angefreundet. Wir haben dieses nun als Haustier mitgenommen. Toya wird sich freuen...













Alle Bilder von unserem Wochenendausflug findet ihr hier.

Montag, 23. Februar 2009

Swim Sport Carnival

Wie versprochen hier auch noch das Update zum Swim Day Carnival.

Der Swim Sport Carnival ist eigentlich einfach ein Ausflug der ganzen Schule (ca. 1450 Schüler/innen und 150 Lehrer/innen) in die Badi, wo die Schüler/innen sich im Schwimmen, Turmspringen, Wasserball oder Volleyball messen. Dabei treten die Schüler in verschiedenen Gruppen (houses genannt) gegeneinander an. D.h. die Resultate der einzelnen Schüler/innen zählen für ihr jeweiliges "Haus", und so gewinnt am Ende des Tages ein Haus.

Da aber anscheinend die Motivation für einen solchen Anlass früher ziemlich gering war, da es v.a. bedeutete, einen Tag lang beim Schwimmbad herumzusitzen und sich zu langweilen und da deshalb sehr viele Schüler/innen einfach nicht hingingen, wurde der Anlass durch einen "Carnival" aufgepeppt. Jedes Jahr gibt es ein Motto und alle (Schüler/innen sowie Lehrkräfte) werden dazu aufgefordert, sich dementsprechend zu verkleiden. Bevor die Wettkämpfe dann losgehen, gibt es eine Parade mit denjenigen maskierten Schülern/innen und Lehrkräften, die beim Wettbewerb für das beste Kostüm bei Schüler- und Lehrerschaft mitmachen wollen.
Dieses Jahr war das Motto irgendetwas beginnend mit dem Buchstaben "M". Einige haben sich dann wirklich etwas einfallen lassen. Hier ein paar Beispiele. Beim Bild links sind Lehrkräfte als (von links) madman, Michael Phelps (hinten), McKinnon-Schüler, Mambo-Man und als Musketier (rechts) verkleidet. Die Schülerinnen haben sich als Metcard (Billett des Melbourner S-Bahn-Systems) verkleidet.

Für mich war das Ganze natürlich etwas schwierig, da ich ja nicht wirklich etwas zum Verkleiden dabei habe, da ich auch nicht auf einen Fundus bei verschiedenen Freunden/bei der Familie etc. zurückgreifen konnte und da ich auch nicht wusste, wo ich was bekommen konnte. Nachdem ich zuerst einfach als Mann gehen wollte (beginnt ja auch auf Englisch mit "M" ;-)), fuer jenen Tag aber 31 Grad angesagt waren und ich nicht im Anzug und Krawatte schwitzen wollte, ging ich (auch nicht sehr einfallsreich, aber immerhin ein bisschen verkleidet) als Maus. Und so sah das aus:
Mein Job bei der ganzen Sache war, während einer zweistündigen Schicht aufzupassen, dass die Schüler einen Teil der Badi nicht betraten. Ich musste also Polizist spielen. Den Rest des Tages hatte ich nichts zu tun und schaute deshalb den Schülern/innen etwas zu.
Der ganze Tag war lustig und lief erstaunlich geregelt und geordnet ab (wenn man bedenkt, dass so viele Schüler/innen da waren, gleichzeitig mehrere Wettbewerbe liefen und praktisch permanent irgendetwas über die Lautsprecher durchgegeben wurde). Doch nach 6 Stunden waren wir alle froh, dass der Tag zu Ende war - und dies ohne Unfälle.

Zum Schluss noch die Gewinner des Wettbewerbs der besten Maskierung: Links die Gewinnerin der Schüler/innen und rechts der Gewinner (oder die Gewinnerin?) bei den Männern ;-) Und wie Michel bereits beim letzten Eintrag hier die Quizfrage: Wen stellt der Lehrer dar?

Valentinstag in Australien

Hallo Ihr Lieben

Nun, der Valentinstag ist zwar schon einige Zeit zurück, dennoch möchten wir euch unseren Ausflug am Valentinstag nicht vorenthalten. Carol, eine Lehrerkollegin von Barbara, hat uns auf die Idee gebracht, am Valentinstag zum Hanging Rock zu fahren und dort einen speziellen Open-air Kinoabend zu geniessen. Wir schauten uns dort den Film "Picnic at Hanging Rock" an. "Picnic at Hanging Rock" ist eine wahre Geschichte, die sich im Jahr 1900 erreignet hat. Mädchen aus einer Privatschule haben am Valentinstag einen Ausflug zum Hanging Rock gemacht (zum Picknick, wie der Name sagt...). Einige Mädchen und eine Lehrerin sind auf mysteriöse Art verschwunden und bis auf ein Mädchen ist niemand mehr aufgetaucht. Das aufgefundene Mädchen hatte jedoch keinerlei Erinnerungen an das Geschehene. Trotz intensiver Suche sind die Mädchen und die Lehrerin nie gefunden worden. Die Geschichte wurde in den 60er Jahren in einem Buch niedergeschrieben und in den 70er Jahren verfilmt. Barbara hat dieses Buch natürlich bereits gelesen, Michel hat Neuland betreten...:-)

Das Spezielle daran war weniger der Film als die Atmosphäre. So sassen wir also direkt vor der Kulisse, in welcher der Film spielt und wo sich die Geschichte ereignet hat. Als richtige Aussies haben wir natürlich auch aktiv am eigenen Picknick teilgenommen und uns für den Film entsprechend ausgerüstet. Bepackt mit unserem Eski (Kühlbox), Stühlen und Wolldecken sind wir auf der Wiese einmarschiert. Begleitet wurden wir von Carol und ihrer Familie (ihr Mann und eine Tochter sowie eine Kollegin). Und so sah dies aus:




Natürlich durfte auch ein Spaziergang im Vorfeld des Films nicht fehlen. Schliesslich wollten wir die geheimnisvolle Umgebung nicht nur aus der Nähe sehen, sondern darin rumspazieren und erkunden. Auf dem Rückweg hätten wir uns noch fast verlaufen. Es hat sich also gezeigt, dass ein Verschwinden in dieser Gegend durchaus möglich ist. Zum Glück aber haben wir den Weg zurück wieder gefunden. So können wir euch auch die Fotos von unserem Erkundungsgang und vom schönen Sonnenuntergang übermitteln.




Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Reise (etwas mehr als eine Stunde Fahrt) auf uns zu nehmen. Auf der Rückfahrt wurden wir dann von Carol und ihrem Ehemann quer durch die Innenstadt gelotst, sodass wir auch mal noch das Erlebnis einer Autofahrt durch eine Millionenstadt irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag erleben durften. Aber wir mussten ja nur dem anderen Auto nachfahren...

Zum Schluss noch ein kleines Quiz: auf dem Gruppenbild beim Picknick haben sich zwei Schweizer Utensilien reingeschmuggelt... Viel Spass beim Suchen.

Bis bald und liebe Grüsse,
Barbara und Michel

Dienstag, 17. Februar 2009

Weitere Schuleindrücke

Nach zweieinhalb Wochen Hardcore-Unterricht an der australischen Schule kann ich (= natürlich Barbara) von mir doch schon behaupten, mich ganz gut an die neuen Umstände gewöhnt zu haben - auch wenn ich mich über gewisse Dinge immer noch wundere und mir nicht alles gleich leicht fällt. Im Folgenden möchte ich euch von ein paar lustigen Dingen erzählen, die in der Schweiz anders sind oder die wir nicht haben. Hier vier Beispiele davon (leider habe ich zu den meisten [noch] keine Fotos :-()

1. Konvent:
Ein Konvent (staff meeting) findet hier in einem kinoartig gestuhlten Gebäude statt und besteht daraus, dass die Schulleitung (die an dieser Schule mit fast 1500 Schülern/innen übrigens auch nur aus einer Rektorin und zwei Prorektoren besteht) Informationen an die Lehrkräfte weitergibt. Es findet kein Dialog statt, sondern man sitzt einfach ruhig da und hört zu. Eine einseitige Sache also (dauert dafür jedoch nur eine Stunde). - Allerdings kann es dabei auch lustig zu und her gehen: Letztes Mal wurde ein Award (Pineapple of the Year) vorgestellt, der jährlich verliehen wird an die Person (staff), der das Penlichste passiert. Bereits letztes Mal wurden einige Personen nominiert und deren Geschichten öffentlich erzählt, sodass ein riesiges Gelächter entstand (z.B. hat ein Lehrer während 60 Minuten einer Klasse den falschen Unterrichtsstoff vermittelt - im Stil einer Vorlesung) ;-)

2. Foto-Shooting:
Jeweils zu Beginn des Schuljahres werden von Lehrern sowie Schülern Fotos gemacht. Dazu mussten wir Lehrkräfte heute Morgen vor Schulbeginn in der Hall antraben. Und so ging das: Man setzt sich 5 Sekunden auf einen Stuhl, stellt die Füsse schön brav in die vorgegebene Markierung auf dem Boden, lächelt kurz, es wird einmal geknipst, und dann ist die nächste Person dran. Danach war das Gruppenfoto an der Reihe. Dazu stellten wir uns der Grösse nach geordnet in eine Reihe. Die Grössten mussten sich zuhinterst hinstellen, während die Kleinsten zuvorderst auf den Stühlen sassen (und bitte die Knie schön zusammen und die linke Hand auf die rechte legen). Ich hab's in die zweitvorderste Reihe geschafft. Das Ganze ging so zackig, dass eine Klasse von 28 Schülern/innen nur 10 Minuten brauchte, um durch das Prozedere zu gehen. - Für mich war das sehr unterhaltsam ;-)

3. General Assembly:
Zweimal pro term (Quartal) findet eine general assembly (eine Art Vollversammlung) statt: Die Schüler müssen in Klassen gemäss einem Plan zu vorgegebenen Eingängen in die Hall rein und in bestimmten Sektoren Platz nehmen. Die Lehrkräfte setzen sich auf Stühlen zu den Sitzbänken hin (ja nicht auf die Bänke!). Dann müssen alle aufstehen, man darf nicht sprechen, muss nach vorn schauen und die Hände entweder auf dem Rücken verschränken oder auf der Seite nach unten hängen lassen. So kommen zuerst die wichtigen Personen (u.a. die Mitglieder der Schulleitung, die alle in schwarze "Roben" (gowns) gekleidet sind) herein und nehmen auf der Bühne Platz und danach wird die Landeshymne gespielt bzw. gesungen. - Das war ein Schauspiel ;-) - Der Rest der general assembly besteht darin, dass alle möglichen Arten von Captains gewählt und Awards an Schüler verliehen werden. Dazu müssen die Auserwählten kurz unter Applaus auf die Bühne gehen und dort für den Fotografen posieren, bevor sie wieder an ihren Platz zurückkehren dürfen. (Die Fotos werden übrigens alle an der Pinnwand mit den wichtigen Ereignisse und Ankündigungen veröffentlicht.) Absolut amüsant!

4. Arbeitszimmer (staff rooms):
Ich bin in staff room 3, dem grössten in der Schule. Flächenmässig ist es wohl nicht oder nicht viel grösser als dasjenige der KSK, aber im Vergleich dazu sind hier schätzungsweise 30 Lehrer (wenn nicht sogar mehr) untergebracht! Zwar hat jeder seinen Pult und sein grosszügiges Büchergestell, aber man hockt so nah aufeinander (nach den Seiten und nach hinten), dass ich mir oft wie in einem Bunker vorkomme, speziell da wir kaum Tageslicht reinlassen (es könnte ja noch warm drin werden...). - Im Gegensatz zur Schweiz arbeiten hier alle (nur) an der Schule. Schliesslich haben wir ja Präsenzpflicht von 8.40 - 3.40. Aber mit diesem Arbeitsplatz ist es eigentlich fast logisch, dass man alles an der Schule macht. Auch ich versuche, kaum je etwas mit nach Hause zu nehmen. Hat auch noch seine Vorteile!
Auf den Bildern seht ihr links meinen (nicht mehr jungfräulichen, aber trotzdem noch schweizerischen) Arbeitsplatz und rechts denjenigen zweier Arbeitskolleginnen die hinter mir sitzen. Andere Verhältnisse als bei uns also!



So, das waren ein paar Schmankerl. Ich nehme an, es werde noch einige solche Dinge folgen. Morgen haben wir z.B. den ganzen Tag "Swim Day Carnival". Dazu wird es sicher Bilder und einen separate Bericht geben.

Und noch ein Zusatz für diejenigen, die sich fragen, was denn Michel während dieser Zeit macht: Nur ein Wort: Golf. Seine neue Leidenschaft. Bilder und Berichte davon folgen.

Sonntag, 15. Februar 2009

Was machen wir eigentlich die ganze Zeit?

Hallo Ihr Lieben

Vielleicht habt ihr euch gefragt, ob uns schon langweilig geworden ist in Australien. Nun, abgesehen davon, dass Barbara ja hart arbeitet und Michel ein neues Hobby entdeckt hat, gibt es doch einige Ausflugsmöglichkeiten rund um das Städtchen Melbourne. Deshalb möchten wir euch mal von einigen unserer Ausflüge berichten, damit ihr einen Einblick (für einige ist es ein Vorgeschmack) in die südliche Umgebung des Bundesstaates Victoria erhält.

Mornington Peninsula
Bei angenehmer Temperatur von etwas über 30 Grad haben wir uns entschieden, einen Tagesausflug mit unserem Subaru auf die Mornington Peninsula zu unternehmen. Diese liegt südöstlich von Melbourne und ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen rund um Melbourne. Die Gegend ist bekannt für feine Weine, schöne Golfkurse (!!) und natürlich auch Strände. Unser Hauptziel bei diesem Ausflug waren die Strände, ein kleiner Walk der Küste entlang und natürlich der Blick auf einen "alten" Leuchtturm. Und so sieht das in Bildern aus:




St. Kilda Festival

Am letzten Wochenende waren wir zwei von fast 300'000 Menschen, die am St. Kilda Festival teilnahmen. Aufgrund der tragischen Brände in Victoria waren ca. 100'000 Personen weniger am Festival als in anderen Jahren. Das hat es aber eigentlich ganz angenehm gemacht, da wir uns noch sehr frei bewegen konnten.
St. Kilda ist ein Vorort von Melbourne und bekannt für den Strand, die Bars und Backpacker. Es ist also viel los in jener Gegend. Das jährlich stattfindende Festival ist ein wichtiges Ereignis für die Gegend und das Spezielle daran: es ist für die Besucher gratis. Auf mehreren Bühnen spielen Bands, überall gibt's Stände mit Essen und Getränken, Ramsch und sonstigen Dingen und auch ein Beach-Volleyball-Turnier und BMX etc. dürfen nicht fehlen. Und das alles direkt am Meer mit Ausblick in die grosse Weite. Das war definitiv cool, dort dabei zu sein. Und es gab und mal wieder das Gefühl, dass wir nun tatsächlich in diesem Land angekommen sind und für ein Jahr bleiben...
Wir haben euch einige Fotos des Festivals auf www.picasaweb.google.com/diefischerlis hochgeladen. Hier aber ein erster Eindruck:





Chelsea Beach

Natürlich darf auch das Faulenzen (inkl. Sudoku) am Strand von Chelsea nicht fehlen. Wir möchten euch hier also mal einen Eindruck von unserem Hausstrand vermitteln. Wir geniessen es, das Meer zu Fuss in nur 10 Minuten erreichen zu können. Das ist definitv eine angenehme Sache. So haben wir dies natürlich auch am heissesten Tag seit jeher gemacht (46 Grad). Nur leider war der Wind so stark, dass wir uns nur im Wasser oder aber auf der Wiese aufhalten konnten (im Schatten natürlich), da es den ganzen Sand herumwirbelte. In der Regel ist der Strand jedoch sehr angenehm und als richtige Aussies haben wir natürlich auch gelernt, unseren Eski (Kühlbox) mit entsprechender Verpflegung mitzunehmen. Auch diese Bilder möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten, damit es euch ein bisschen erwärmt in der kalten Winterzeit...



So, das wär's für den Moment. Weitere Infos über Ausflüge ins Zentrum von Melbourne oder auch zum Hanging Rock (inkl. spannendem Open-Air-Kinoabend) folgen später. Wir müssen ja weiterhin was zu Erzählen haben...

Herzliche Aussie-Grüsse,
Barbara und Michel

Donnerstag, 5. Februar 2009

Die ersten Schultage

Nachdem ich, Barbara, bereits fast eine ganze Woche an meiner neuen Schule mit den Schülern verbracht habe, stille ich gerne den ersten "Gwunder" unserer Blog-Leser.

Wie erwartet ist die Schule hier ganz anders als das, was wir in der Schweiz kennen, und sowieso extrem viel anders als die Kanti Kreuzlingen. Bereits das Äussere ist anders.
Auf dem Bild oben sehr ihr einen Teil der Schule, also ein paar ganz gewöhnliche Klassenzimmer, und auf dem Bild unten ist die "canteen", also die Mensa, zu sehen (hier geschlossen). Ich habe mich jedoch (wie auch an vieles anderes) schnell daran gewöhnt.

In meinen ersten Tagen mit den Schülern habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Meine allererste Lektion (mit 8. Klässlern) war so schlimm, dass ich ziemlich geschockt war und meine lieben Schüler an der KSK zurückwünschte. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass nicht alle so schlimm sind (die 7. Klässler sind ja sooo herzig) und dass es auch Klassen gibt, die gerne Deutsch lernen. Ganz lustig ist, dass es in praktisch jeder meiner sieben Klassen Schüler/innen gibt, die mich an jemanden (an Schweizer Schüler/innen) erinnern.

Obwohl ich mich schon im Vorfeld mit vielen Regeln, Regelungen und Handhabungen an dieser Schule auseinandergesetzt hatte (es kam so viel Neues auf mich zu, dass ich glaubte, ich würde mich nie darin zurechtfinden), lerne ich immer noch jeden Tag dazu. Der Schulalltag ist hier unglaublich streng reguliert und kontrolliert. Dazu passt die Schuluniformpflicht (Foto folgt später), aber andererseits erstaunt es etwas, dass die Stundenplanzeiten praktisch jeden Tag ändern. Das macht es sehr schwer, sich auf etwas Regelmässiges einzustellen.

Auch wenn ich wieder Schüler "erziehen" muss und alle möglichen Strafen verteilen muss, wie sie von der Schule vorgeschrieben und/oder erlaubt sind, auch wenn der Respekt Lehrpersonen gegenüber etwas an einem andern Ort ist als in der Schweiz und auch wenn der "Lernhunger" bei vielen Schülern/innen kaum bis gar nicht vorhanden ist, so bin ich doch froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und einmal eine ganz andere (Schul-)Welt kennen lernen kann und vor ganz andere Herausforderungen gestellt werde. Genau das war es ja auch, was ich wollte. Ich freue mich deshalb auf die Zeit, in der ich alle Regeln kenne, in der ich mit der Art, Deutsch zu unterrichten besser vertraut bin und in der ich die disziplinarischen Probleme im Griff habe. Es ist definitiv eine riesige Challenge - eine einmalige! Diese Bemerkung für all jene, die diesen Blogeintrag lesen und glauben, mich am Boden zerstört zu sehen und mich aufmuntern zu müssen. So schlimm ist es nicht! Ich habe in meiner Karriere ja auch bereits einiges er- und überlebt. Danke aber für euer Mitgefühl ;-)

Weitere Bilder von Klassenzimmern und Schülern werden folgen.